Andrea ist #endlichdaheim
Andrea Stenz ist IHK-Regionalgeschäftsführerin Ahrweiler, IHK Koblenz. Die 45-Jährige ist in Mülheim-Kärlich aufgewachsen. Ihr beruflicher Weg führte sie zunächst nach Würzburg, Lübeck, Stuttgart und Berlin. Nach dem Jurastudium, beruflichen Stationen in der Wirtschaft und einer Phase der Selbstständigkeit ist sie heute wieder in ihre Heimatregion zurückgekehrt. Im Interview erzählt sie, was sie an ihrer Aufgabe bei der IHK reizt, warum diese für sie besonders sinnstiftend ist und weshalb die Region56+ für sie wieder zur Heimat geworden ist.
Ich habe mich bewusst für ein Jurastudium entschieden, weil mich die Juristerei von Anfang an interessiert hat. Bis heute sehe ich sie als wertvolle Grundlage – beruflich wie privat. Gleichzeitig war mir früh klar, dass ich keine klassische juristische Laufbahn einschlagen möchte, sondern in die Wirtschaft gehen will. Vor diesem Hintergrund habe ich mich bewusst für ein duales Studium entschieden und parallel bei der Daimler AG gearbeitet. Anschließend habe ich noch einen MBA, also einen betriebswirtschaftlichen Masterabschluss, gemacht.
Danach war ich als Einrichtungsleiterin in der Seniorenpflege tätig. Während meines MBA-Studiums entstand gemeinsam mit meinem Partner der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen, das unseren Visionen und Wertvorstellungen entspricht und von persönlichen Erfahrungen geprägt ist. Wir gründeten ein Getränkestart-up und führten es mehrere Jahre. In dieser Zeit habe ich die IHK in Berlin als verlässlichen Partner kennengelernt.
Die Corona-Pandemie haben wir gut gemeistert, mit dem Ukrainekrieg kamen wirtschaftliche Herausforderungen hinzu, die wir nicht mehr auffangen konnten. Gleichzeitig wollte ich wieder näher bei meiner Familie sein. Nach der Schließung unseres Unternehmens war für mich klar: Ich möchte weiterhin Unternehmen unterstützen, gerade in herausfordernden Zeiten. Der Wechsel zur IHK war für mich daher eine logische und runde Entscheidung.
Das Besondere an meinem Job ist die Nähe zu den Unternehmen. Ich bin viel vor Ort, mache Betriebsbesuche und höre zu: Wo liegen die aktuellen Herausforderungen, wo wird Unterstützung benötigt und wo ist eine Stimme in Richtung Politik und Verwaltung gefragt?
Die Themen aus diesen Gesprächen tragen wir weiter und benennen konkret, wo Handlungsbedarf besteht. Im Landkreis betreuen wir rund 10.000 Unternehmen und können dabei auf ein starkes Netzwerk in Koblenz sowie auf den bundesweiten Austausch der IHKs zurückgreifen.
Ich verstehe mich als Generalistin. Meine Aufgabe ist es, den Überblick zu behalten, Zusammenhänge zu erkennen und die richtigen Menschen miteinander zu verbinden. Mir ist wichtig, sowohl kleinere Betriebe als auch größere Unternehmen gezielt in unsere Netzwerke einzubinden. Wenn mir nach einem Gespräch jemand sagt, dass er nun konkrete Ansatzpunkte hat, dann weiß ich, wofür ich diese Arbeit mache.
IHK
Jede Region in Rheinland-Pfalz hat ihre eigenen Besonderheiten und Unterschiede – das prägt auch die Wirtschaft in der Region. Neben einer Zentrale in Koblenz, gibt es acht weitere Geschäftsstellen in der Fläche. Mit ihren Regionalgeschäftsstellen vertritt die IHK Koblenz rund 109.300 Unternehmen, dabei basiert die Arbeit auf dem Prinzip der unternehmerischen Selbstverwaltung und sie ist unabhängig von Einzel- oder Brancheninteressen. Die Regionalgeschäftsstelle Ahrweiler betreut rund 10.100 Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung. Sie organisiert Zwischen- und Abschlussprüfungen in der Berufsausbildung, formuliert Stellungnahmen und Gutachten zu Raumordnungsverfahren, Wettbewerbsfragen sowie anderen Themen und führt individuelle Beratungen von Betrieben durch.
Für viele Menschen ist diese Region ein Urlaubsziel und dieses Gefühl spürt man auch im Alltag. Natur, kurze Wege und Erholung liegen nah beieinander. Ich bin gerne draußen unterwegs und schätze es sehr, dass ich innerhalb weniger Minuten in den Weinbergen oder auf einem der vielen Wege in der Natur abschalten kann.
Gleichzeitig habe ich durch meine Tätigkeit einen intensiven Einblick in den Wirtschaftsstandort. Familiengeführte Unternehmen bilden hier das Rückgrat unserer Wirtschaft. Zusammen mit dem breiten Branchenmix macht uns das zu einer stabilen und resilienten Region. Besonders beeindruckend sind Betriebe, die in kleinen Orten ansässig sind und dennoch international erfolgreich arbeiten. Gleichzeitig zählt für mich jedes einzelne Unternehmen. Diese Mischung prägt unsere Region.
Nach vielen Jahren außerhalb habe ich beim Zurückkommen gemerkt, wie sehr das Miteinander und die Mentalität hier prägen. Man kommt schnell ins Gespräch, wird eingebunden und versteht sich oft schon über Sprache und Art hinweg.
Alte Verbindungen aus der Kindheit leben wieder auf, gleichzeitig entstehen neue Begegnungen. Ich engagiere mich aus Überzeugung beim Technischen Hilfswerk. Bereits in unserer eigenen Firma haben wir ehrenamtliches Engagement aktiv gefördert, und auch ich war zuvor ehrenamtlich im Gesundheitsbereich tätig. Heute bietet mir das THW die Möglichkeit, mich einzubringen und Kontakte außerhalb des beruflichen Kontextes zu knüpfen.
Es ist die Mischung aus Familie, alten Freundschaften und neuen Begegnungen, die dieses Gefühl ausmacht, endlich daheim zu sein.
Mit Menschen, für Menschen etwas bewegen zu können, beschreibt für mich genau dieses Lebensgefühl.
- Den Rotweinwanderweg zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten erkunden und Natur, Bewegung und Weitblick genießen.
- Den Regierungsbunker besuchen und sich mit der jüngeren Geschichte der Region auseinandersetzen. Auch ein Besuch im Friedensmuseum in Remagen lohnt sich.
- Die kulinarische Vielfalt entlang der Ahr von der Eifel bis zum Rhein entdecken und die Gastronomie inmitten der Landschaft erleben.